Keine Geschichtsklitterung in Pommelsbrunn!

Nur wenige Wochen nach dem Zeltlager der rechtsextremen Generation Deutschland im August ist in unserer Nachbargemeinde Pommelsbrunn erneut eine Intervention nötig. Das Heimatmuseum in Pommelsbrunn plant am kommenden Donnerstag, 15. Oktober 2026, einen Vortrag mit dem Titel „Fliegerschicksale im Nürnberger Land“ mit dem Referenten Adrian Matthes.

Während der Titel und die Bildsprache des Vortrags vielleicht nur ein Stirnrunzeln verursacht, ist der Name des Referenten Antifaschist*innen in der Metropolregion schon lange bekannt: Der 27-jährige ehemalige Hersbrucker Adrian Matthes taucht seit Jahren in verschiedenen rechtsextremen Kontexten auf, er betreibt einen Instagram Account, auf dem er Werke seines „Zeitzeugen Versand“ bewirbt. Dabei handelt es sich um Veröffentlichungen, die völlig unkritisch und distanzlos sogenannte Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg behandeln – sie bewegen sich durch ihren Charakter nahe am Geschichtsrevisionismus und Revanchismus. Das sehen nicht nur wir so. Matthes versucht sie als seriöse Geschichtsarbeit zu verkaufen – unter anderem auch ein Buch mit dem namensgebenden Titel des Vortrags. Mit Erfolg: auf Instagram hat er zwischenzeitlich fast 20.000 Follower*innen. Seine Nähe zum Rechtsextremismus hört damit nicht auf. Schon im Jahr 2020 wurde er wegen Verwendung von verfassungsfeindlichen Kennzeichen und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagt und zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Matthes und Scheucher in den Räumlichkeiten des Verein Gedächtnisstätte in Guthmannshausen (vgl. verlinkten Artikel)

Im Jahr 2019 nahm Matthes zusammen mit dem ehemaligen Wehrmachtssoldaten Konrad Scheucher an einer Veranstaltung des „Verein Gedächtnisstätte“ in Guthmannshausen teil. Dieser Verein wurde 1992 gegründet und ist bis heute mit Holocaust-Leugnern wie z.B. der mehrfach verurteilten (und mittlerweile verstorbenen) Nationalsozialistin Ursula Haverbeck verbunden. Im selben Zusammenhang besuchte er auch ein Konzert des rechtsextremen Liedermachers Frank Rennicke.

Mit Scheucher war Matthes zusammen in der Normandie, dort posierte er auf einem alten Panzer und kommentierte das Bild mit den Worten „Michael Wittmann 2.0 😎“. Michael Wittmann war bei der Waffen-SS und ist in revanchistischen Kreisen eine Kultfigur wegen seiner (angezweifelten) großen Erfolge als Panzerkommandant.

Den Tod von Scheucher kommentierte er in einer mittlerweile gelöschten Story („Normandie 2019“) auf Instagram mit den Worten „Deine Leistungen und deine Ideale werde ich immer verteidigen – versprochen!„. Einer seiner Posts fasst seine Arbeit gut zusammen: „Opa erzählen lassen – staatlich propagandierten Schuldkult beenden!!“ (sic!)

Darüberhinaus existieren zahlreichen Belege aus einschlägigen Online-Foren, in denen er beispielweise einigermaßen stolz seinen schon in Schuljahren existenten „Naziruf“ in Hersbruck erwähnt. Die Identität des Nutzers „Nürnberg“ wird in einem weiteren Beitrag von ihm selbst bestätigt, auch andere Nutzer sprechen ihn mehrfach mit Namen an.

Dass Adrian Matthes nicht nur ein historisches Interesse an Waffen hat, sollen Fotos von einer Sicherheitsmesse zeigen, die er laut einem Bericht im Rahmen eines Praktikums bei einer Sicherheitsfirma in Nürnberg besuchte: Dort posierte er stolz mit automatischen Waffen.

Erlanger Antifaschist*innen kennen ihn aus dem Umfeld der vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten und dort ansäßigen rechtsextremen Burschenschaft Frankonia – teilweise wird eine Mitgliedschaft in dieser Burschenschaft behauptet. Deren Alter Herr Frank Miksch ist ein bekannter Szeneanwalt in der rechtsextremen Szene und vertrat im Jahr 2020 Adrian Matthes als Anwalt vor Gericht. Ein Beitrag auf Indymedia ordnet die Erlanger Wohngemeinschaft, die er vor Gericht als Wohnort angegeben hat, ebenfalls dieser rechtsextremen Burschenschaft zu. Im Jahr 2023 soll Matthes außerdem zusammen mit Mitgliedern der Identitären Bewegung und der rechtsextremen Frankonia Burschenschaft an der Verhinderung einer antifaschistischen Infoveranstaltung zum Einfluß der extremen Rechten beteiligt gewesen sein.

Es gibt natürlich auch aktuelle Hinweise auf seinen politischen Standpunkt: Im Impressum seiner Webseite „Zeitzeugen Verlag“ nennt er eine Adresse in Hausen (Rhön). Dabei handelt es sich um ein Anwesen, das 2023 im Rahmen des Verbots der sog. Artgemeinschaft durchsucht worden war. Die Artgemeinschaft war eine rechtsextreme Organisation, sie vertrat bis zu ihrem Verbot im Jahr 2023 völkisch-rassistisches, revisionistisches und antisemitisches Gedankengut. Erst Ende August 2026 kam es erneut zu zahlreichen Durchsuchungen wegen fortführung des verbotenen Vereins.

Dieses Anwesen in Hausen (Rhön) dient als Impressumsadresse des „Zeitzeugen Verlag“.

Und damit zurück zum Instagram Account von Matthes: Beachtliche 20.000 Follower*innen hat er in den letzten Jahren gesammelt – viele davon aus dem erwartbaren Milieu. Interessant sind aber vor allem die 80 Accounts, denen Matthes selbst folgt. Dort finden sich Personen wie Moritz Kirsch, Co-Leiter der Identitären Bewegung Bayern, Christoph Schmidt aus Ansbach, 2. stellvertretender Vorsitzender der Generation Deutschland Bayern und Vorsitzender des im August in Pommelsbrunnn neu gegründeten GD-Bezirksverbands Mittelfranken, Benedikt Kaiser, ein Autor der sog. Neuen Rechten der u.a. beim Antaios-Verlag veröffentlicht, sowie Martin G., der Veranstalter des oben erwähnten Vortrags des „Verein Gedächtnisstätte“ in Guthmannshausen. Und auch die rechtsextreme Erlanger Burschenschaft Frankonia findet sich dort wieder.

Seine Bücher sind indessen ebenfalls genau bei den erwartbaren Menschen beliebt. So postete Franz Schmid, rechtsextremer AfD-Politiker und Vorsitzender des bayerischen Landesverbands der Generation Deutschland, ein Foto seines Buchs „Rommels letzter Panzerkommandant“. Franz Schmid war u.a. beim sog. Sommerfest der GD im August selbst in Pommelsbrunn – schon wieder schließt sich der Kreis in Pommelsbrunn. Zugleich werden seine Bücher in vielen extrem rechten Versänden wie z.B. dem Deutschen Buchdienst und auch im Versand des Neonazis Thorsten Heise in einer eigenen Rubrik beworben. Letzteres unterstreicht eine ebenfalls auf Indymedia behauptete Verbindung zur Tochter von Thorsten Heise.

Matthes soll 2021 auf einem Video des sog. „Volkslehrers“ Nikolai Nerling, ein bekannter Rechtsextremist, auf dem Anwesen des Neonazis Thommy Frenck in Kloster Vesra in Thüringen zu sehen sein.

Screenshot aus einem Video von Nikolai Nerling, links hinten eingekreist soll Adrian Matthes zu sehen sein.

Es ließen sich noch zahlreiche weitere Beispiele anführen, die seinen politischen Standpunkt und sein Umfeld verdeutlichen – wir belassen es an dieser Stelle dabei.

Auf den Referenten angesprochen reagierte das Pommelsbrunner Heimatmuseum zunächst überrascht – dort war der Hintergrund von Adrian Matthes scheinbar nicht allen bekannt. Wir haben natürlich aktiv den Kontakt mit dem Heimatmuseum gesucht, um eine Gelegenheit zur Absage der Veranstaltung zu geben. Wir sind äußerst irritiert, dass das Heimatmuseum die Problematik nicht sieht und sich in persönlichen Gesprächen vor allem darum bemüht einzelne Vorwürfe zu entkräften anstatt das Gesamtbild seines Referenten zu sehen und die Veranstaltung abzusagen.

Adrian Matthes ist kein „harmloser Geschichtsversessener“. Seine Werke vermitteln kein differenziertes Bild der Geschichte, stattdessen stellt er seine Protagonisten als Helden, Opfer oder einfach „normale Menschen“ dar. Jeglicher Kontext wird völlig ausgeblendet. Das ist eine gängige Taktik von Rechtsextremen, die die deutsche Vergangenheit, mit den Worten von Alexander Gauland, als „Vogelschiss der Geschichte“ erscheinen lassen wollen. Dass Matthes nicht nur distanzlos berichtet, sondern sich auch mit seinen Protagonisten und deren Werten identifizieren kann ist belegt und auch seine heute noch aktuelle Verbindung zu einem Haus mit Artgemeinschaft-Bezug sowie sein Interesse an rechtsextremen Accounts auf Instagram sprechen eine deutliche Sprache. Auch gibt es bis auf formale Statements auf seiner Verlags Webseite keinen Versuch von Matthes, glaubwürdig auf Distanz zu irgendeinem der geschilderten Fakten zu gehen.

Vor diesem Hintergrund finden wir es völlig unverständlich diese Veranstaltung stattfinden zu lassen. Wir bezweifeln, dass das Beharren auf der Durchführung der Veranstaltung dem guten Ruf des Pommelsbrunner Heimatmuseums und seiner Seriösität zuträglich ist. Klar ist jedenfalls, dass der Vortrag von Adrian Matthes am Donnerstag nicht einfach unwidersprochen stattfinden kann.

2 Antworten auf „Keine Geschichtsklitterung in Pommelsbrunn!“

  1. Das ist wirklich krass! Der Referent sollte allen Hersbruckern schon seit seiner Kindheit unangenehm bekannt sein. Bitte bleibt dran und versucht, diese Veranstaltung zu verhindern oder eine Gegenkundgebung o.ä. zu organisieren.

  2. Danke für Eure umfassende Recherche.
    Mein kleines Scherflein bisher: sofort mail an die Museumsleitung geschickt und mich gestern bei Micha Knodt für seine Berichterstattung privat bedankt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert