Am heutigen Freitag Abend haben etwa 200 Menschen in Herbruck anlässlich des versuchten Brandanschlags auf die Herbrucker KZ-Gedenkstätte demonstriert. Trotz wieder einmal sehr kurzfristiger Vorbereitung konnten wir damit ein deutliches Zeichen gegen rechtsextremistische Gewalt und Nazi-Schmierereien in Hersbruck setzen.

Zu Beginn der Kundgebung wurde von Stadträtin Katja Götz ein Grußwort von Bürgermeister Robert Ilg verlesen. Er zeigte sich erschüttert über die Vorfälle, bedankte sich für die schnelle Organisation der Veranstaltung und appellierte an den Zusammenhalt der demokratischen Kräfte in Hersbruck. Ein Redner unseres Bündnisses ordnete im Anschluss den Anschlag auf die KZ-Gedenkstätte in den lokalen Zusammenhang der letzten Jahre ein.

Nach der Kundgebung am Oberen Markt lief die Kundgebung zum Ort des Geschehens am Sprudelbad. Dort sprachen Vertreter*innen des Vereins Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck e.V. über die Normalisierung rechten Gedankenguts heute und über die Verharmlosung der Verbrechen der Vergangenheit. Mit einem gemeinsamen Lied („Wehrt euch leistet Widerstand“) endete die Kundgebung.

Immer wieder kam es in Hersbruck zu rechtsextremistisch motivierten Sachbeschädigungen. Der Kubus, auf den jetzt ein Brandanschlag verübt wurde, ist schon seit längerem wegen Vandalismus geschlossen, die im Rosengarten platzierte Gedenkstele an die ermordeten Hersbrucker Sinti*zze und Roma*nja Familien wurde kurz nach seiner Einweihung 2020 bereits beschädigt. 2022 wurden öffentlich ausgestellte Objekte des vom Dokuvereins veranstalteten Kunstwettbewerbs „Erinnerungsräume“ beschädigt. Darüber hinaus tauchen im gesamten Stadtgebiet seit Jahren immer wieder Graffiti mit NS-Bezug und Drohungen gegen politische Gegner auf. Auch rechtsextremistische und rassistische Aufkleber finden sich immer wieder. Vieles ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, die Täter*innen verwenden oft Codes, die in der rechtsextremistischen Szene weit verbreitet sind. Ein Beleg dafür, das es sich nicht um sog. „Dumme-Jungen-Streiche“ handelt, sondern eine gefestigte Einbindung in rechtsextremistische Kultur und Organisation vorhanden ist.
Ein weiterer aktueller und erschreckender Höhepunkt wurde uns kurz vor der Kundgebung gemeldet: Im alten Hersbrucker Rathaus finden sich zahlreiche heftigste Nazischmierereien. Hier wird mit NS-Symbolik unter anderen auch explizit zum Mord an Juden aufgerufen – wir verzichten bewusst auf eine Veröffentlichung der uns zugänglich gemachten Bilder.
Leider stellen wir dabei auch immer wieder eine fehlende Sensibilität von Seiten der Behörden fest. Rechtsextremistische Codes wie 1161 – das steht für Anti-Antifaschistische Aktion – werden von Sachbearbeiter*innen bei der Hersbrucker Polizei als „rechts-gegen-links“ verharmlost anstatt darin das zu erkennen was es ist: eine Drohung an politische Gegner*innen wie uns. Und auch gemeldete Graffitis werden nicht immer vollständig
entfernt. Seit mindestens März prangt am Ellenbacher Ortseingang beispielsweise ein verbotenes Keltenkreuz und die genannte Drohung.
Um der achselzuckenden Hilflosigkeit, mit der die Öffentlichkeit solchen Vorfällen gegenübertritt etwas entgegenzusetzen bieten wir eine Belohnung von 500 Euro. Der Laufer Linken-Stadtrat René Wiedmann erhöhte diese Summe auf der Kundgebung spontan um weitere 250 Euro, so dass nun insgesamt 750 Euro Belohnung geboten sind für Hinweise die zur Ergreifung der Täter*innen vom vergangenen Wochenende führen. Hinweisgeber können sich über das Kontaktformular unserer Webseite an uns wenden, wir leiten Hinweise dann an die Behörden weiter.
Alles in allem war es eine erfolgreiche Kundgebung zu einem traurigen Anlass. Wir bedanken uns bei allen Anwesenden für das wichtige Zeichen gegen Rechtsextremismus.
