Wie die Kriminalpolizei Schwabach heute mitgeteilt hat, wurde im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die KZ-Gedenkstätte Hersbruck ein Tatverdächtiger ermittelt. Der 27-jährige soll an der Gedenkstätte Feuer gelegt und in der Umgebung Graffiti mit NS-Hintergrund angebracht haben.
Wir freuen uns darüber, dass es gelungen ist schnell einen Tatverdächtigen zu ermitteln. Wir sind aber irritiert darüber, dass es den Behörden ein Bedürfnis ist, eine mögliche psychische Erkrankung des Verdächtigen mit dem Anschlag in Zusammenhang zu bringen. Eine Brandstiftung an einer KZ-Gedenkstätte ist politisch und mit einer psychischen Erkrankung weder zu erklären noch zu rechtfertigen. Dadurch wird der abscheuliche Vorfall entpolitisiert.
Erst vor wenigen Tagen haben wir uns über die fehlende Sensibilität der Behörden im Umgang mit den zahlreichen rechtsextremistischen Vorfällen in Hersbruck beklagt. Wir finden es äußerst fragwürdig, dass diese Sensibilität sogar bei einem Brandanschlag wie diesem fehlt. Wir hoffen, die Behörden prüfen im Rahmen ihrer Ermittlungen, ob und in welchem Zusammenhang die Brandstiftung an der KZ-Gedenkstätte Hersbruck mit den zahlreichen übrigen Vorfällen in Hersbruck steht.
In der Zwischenzeit sind uns weitere rechtsextremistische Graffiti und Schmierereien bekannt geworden: Am Happurger Baggersee finden sich die bekannten Codes „1161“ und „AAFA“ (beides „Anti-Antifaschistische Aktion“, eine Bedrohung politischer Gegner). In den Fußgängerunterführungen am Plärrer finden sich ebenfalls die Parole „Fuck Antifa“ und „1161“. Weitere noch unverifizierte Meldungen liegen uns vor. Das zeigt, dass mit dem entsprechenden Blick und der nötigen Sensibilisierung solche Symbole überall in Hersbruck und Umgebung zu finden sind.
Unsere vor wenigen Tagen veröffentlichte digitale Landkarte bietet eine Möglichkeit, sich einen (unvollständligen) Überblick über das Ausmaß rechtsextremistischer Vorfälle in Hersbruck und Umgebung zu machen. Bitte teilt uns über das dort verfügbare Meldeformular eure Beobachtungen mit – am besten mit Belegfoto.
